Die Zahngesundheit des Pferdes
Wiederkehrende und sachgerechte Zahnpflege ist
essentiell für die Gesundheit ihres Pferdes.
Regelmäßige tierärztliche Untersuchungen und
Behandlungen, wie das Raspeln bzw. das
Beschleifen der Zähne, dienen der
Funktionserhaltung des Pferdegebisses. Aus
folgenden Gründen ist dies heute besonders
wichtig:
• Anders als bei uns Menschen „wachsen“ die
Zähne des Pferdes zeitlebens 2 bis 5 mm pro
Jahr. Dabei wachsen die Zähne
• tatsächlich nur
bis zum Alter von 7 bis 9 Jahren in ihrer Länge.
Danach schieben sich die Backenzähne nach und
nach aus dem
• Kiefer in
Richtung Maulhöhle.
• Die Ernährung der Pferde und deren
Fressgewohnheiten sind durch die Domestikation
und Stallhaltung grundlegend verändert.
• Die heutige
Pferdehaltung führt gegenüber dem ursprünglichen
Steppenbewohner zu einem verminderten Abrieb der
Zähne.
• Wir fordern immer früher Leistungsbereitschaft
von unseren heranwachsenden Pferden.
• Tiere, die eine mangelhafte Zahnkonstitution
vererben, werden nicht immer aus der Zucht
ausgeschlossen.
Die richtige Zahnpflege lohnt sich. Idealerweise
bildet die Kaufläche der Backenzähne eine Ebene,
so dass der Kaudruck gleichmäßig auf die
Kaufläche verteilt ist. Durch ungenügenden
Abrieb bilden sich sogenannte Zahnkanten und
-haken. Sind sie erst einmal entstanden,
schränken sie den normalen Abrieb der Zähne noch
weiter ein, sodass die Zahnhaken und -kanten
schnell an Größe zunehmen. Die scharfen Kanten
führen oft zu Verletzungen der Maulschleimhaut
und an der Zunge. An den Oberkieferbackenzähnen
können an den Außenseiten des Zahns (buccale
Zahnfläche) scharfe Kanten entstehen, die zu
Usuren (Druckstellen) in der Backenschleimhaut
und damit zu Schmerzen führen. Besonders in dem
Bereich, an dem der Nasenriemen anliegt, ist
dies für das Pferd unangenehm und schmerzhaft.
Durch Kantenbildung an den
Unterkieferbackenzähnen (lingualen Zahnfläche)
kann es zu Verletzungen an der Zunge kommen.
Auch Zahnfehlstellungen oder fehlende Zähne
können schnell zu einem ungleichmäßigen Abrieb
führen und die Kaubewegungen erheblich
einschränken. Stufen, ausgeprägte Querrillen
(Querkämme), Haken, Rampen oder Meiselzähne
behindern die Vor- und Rückwärtsbeweglichkeit
des Unterkiefers.
Das Pferdegebiss
Pferde entwickelten sich in der Evolution in
weiten Graslandschaften zu Weidetieren und ihr
Gebiss ist perfekt daran angepasst. Das
ausgewachsene Pferd besitzt maximal 44, meist
jedoch 40 bleibende Zähne, die entsprechend Form
und Funktion verschiedenen Zahntypen zugeordnet
werden. Die Zähne des Pferdes unterscheiden sich
anatomisch deutlich von denen des Menschen. Sie
besitzen in den ersten Jahren ein echtes
Längenwachstum und wachsen dann langsam aus dem
Zahnfach in die Maulhöhle hinaus, um den
nutzungsbedingten Abrieb auszugleichen. Die
Vorderzähne oder Schneidezähne, bekannt als
Incisivi (lat. abgeleitet von incidere –
einschneiden), dienen beim Grasen als
Schneidewerkzeuge. Zu den Backen- oder
Mahlzähnen gehören die Prämolaren und die
Molaren (lat. Mola – der Mahlstein). Sie
besitzen eine größere, etwas geneigte und
profilreiche Kaufläche, um das Futter vor dem
Abschlucken zu einem Nahrungsbrei zu zermahlen.
Wie der Mensch, so hat auch das Pferd vor dem
permanenten Gebiss ein vorläufiges Milchgebiss.
Die ersten Milchschneidezähne werden meist schon
angelegt, bevor das Fohlen geboren wird. Die
letzten Milchzähne brechen jedoch erst durch das
Zahnfleisch, wenn das Fohlen ca. 8 Monate alt
ist. Diese Zähne werden dann ab einem Alter von
2 ½ Jahren von den bleibenden Zähnen ersetzt.
Die Milchzähne des Pferdes sind kleiner als die
Permaneten (Bleibenden) und zwar aus folgenden
Grund: die Kieferbögen sind beim jungen Pferd
noch kleiner und deshalb erscheinen die zunächst
perfekt passenden Zähne mit dem fortschreitenden
Wachstum zu klein. Gegen Ende des fünften
Lebensjahres sollten die Pferde den Zahnwechsel
vom Milchgebiss zum permanenten Ersatzgebiss
oder „Erwachsenen-Gebiss“ abgeschlossen haben.
Im Ersatzgebiss besitzt das Pferd im Ober- und
Unterkiefer jeweils sechs Schneidezähne (I1, I2,
I3). Die Eckzähne (C) sind meistens nur bei
männlichen Pferden angelegt. Die Backenzahnreihe
besteht auf jeder Seite des Ober- und
Unterkiefers aus drei Prämolaren (P2, P3, P4)
und drei Molaren (M1, M2, M3). Im Verlauf der
Evolution wurde der erste Backenzahn (P1)
zurückgebildet und ist lediglich bei einem Teil
der Pferde als kleiner „Wolfszahn“ ausgebildet.
Die folgende Tabelle zeigt das
Durchschnittsalter, bei welchen die
verschiedenen Zähne durch die Maulschleimhaut
„durchbrechen“.
Milchzähne:
|
Incisivi 1 (vordere oder innere Schneidezähne) |
bei Geburt oder 1. Woche |
|
Incisivi 2 (mittlere Schneidezähne) |
4 – 6 Wochen |
|
Incisivi 3 (äußere Schneidezähne) |
6 – 9 Monate |
|
Prämolares 1, 2, 3 (vordere Backenzähne) |
bei Geburt (bis erste 2 Wochen) |
Ersatzzähne:
|
Incisivi 1 |
2 ½ Jahren |
|
Incisivi 2 |
3 ½ Jahren |
|
Incisivi 3 |
4 ½ Jahren |
|
Canini (Hengst-Haken- oder Eckzähne) |
4 – 5 Jahren |
|
Prämolaren 1 (Wolfszähne) |
erstes Jahr |
|
Prämolaren 2 |
2 ½ Jahren |
|
Prämolaren 3 |
3 Jahren |
|
Prämolaren 4 |
3 – 4 Jahren |
|
Molaren 1 (hintere Backenzähne) |
12 Monate |
|
Molaren 2 (hintere Backenzähne) |
2 Jahre |
|
Molaren 3 (hintere Backenzähne) |
3 ½ - 4 Jahre |
Alle Schneide- und Backenzähne schieben sich bis
zum Alter von ca. 15 Jahren aus ihren
Zahnfächern heraus. Es findet ein sog.
„Nachwachsen“ statt. Tatsächlich sind die
bleibenden Zähne von Anfang an in ihrer Länge
angelegt und werden lediglich nachgeschoben.
Daraus folgt, dass gewisse Zahnfehlstellungen
lebenslänglich nachkorrigiert werden müssen.
Häufige Zahnprobleme
Pferde können an vielfältigen Zahnproblemen
leiden. Einige der häufigsten sind folgende:
• Scharfe Spitzen und Kanten der Backenzähne,
die Verletzungen an der Backenschleimhaut und
Zunge verursachen.
• Zahnkappen (zurückbleibende Reste von
Milchzähnen auf den schon durchgebrochenen
bleibenden Zähnen).
• Haken an den ersten und letzten Backenzähnen
von Ober- und Unterkiefer, welche den
natürlichen Kauvorgang behindern.
• Lange und / oder scharfkantige Eckzähne, die
während des Kauvorgangs Lippen, Schleimhaut und
Gaumen (Zahnfleisch)
• verletzen.
• Verlorene oder abgebrochene Zähne, Zahnreste,
Zahnlücken
• Anormale oder ungleichmäßige Kauflächen
• Überzählige Zähne
• Übermäßig abgenutzte Zähne
• Entzündungen von Zahn, Zahnhalteapparat und
Zahnfleisch
• Zahnfehlstellungen (kann sowohl angeboren sein
als auch unfallbedingt).
• Zahnfleischerkrankungen
• Überbiss und Hechtgebiss
• gebrochene Zähne mit und ohne
Wurzelspitzenabszesse
Erkennen von
Zahnproblemen
Die meisten Pferdebesitzer wissen sofort, dass
ihr Pferd Zahnprobleme hat, wenn es sog.
„Heuwickel“ oder Kraftfutter ausspuckt. Pferde
mit Zahnproblemen können die verschiedensten
Symptome zeigen, wie Schmerzen, Behinderung des
Kauaktes, oder sie zeigen überhaupt keine
erkennbaren Symptome. Wichtige Anzeichen für
eine Zahnerkrankung können sein:
• Futterverlust aus dem Maul während des Kauens,
Schwierigkeiten mit dem Kauvorgang,
eingeschränkte Kaufunktion (Kauen der
• sog. „Wickel“)
oder übermäßiges Speicheln
• Abmagerung des Pferdes
• Wiederholt vorkommende Verdauungsstörungen
(Koliken) oder auch vermehrtes Auftreten von
Kotwasser
• Größere oder unverdaute Futterpartikel im Kot
• Kopfschräghaltung oder –schütteln oder
übermäßiges Zungenspiel
• Widerstand beim Aufzäumen oder Steigen beim
Annehmen des Zügels
• Fehlerhafte Kopf-Hals-Haltung (Pferd ständig
vor oder hinter dem Zügel, läßt sich schlecht
seitwärtsstellen, Verwerfen im Gnick)
• Verhaltensveränderungen, wie das Ziehen an
Zügeln, Ungehorsam bei Wende- oder
Stoppbefehlen, sogar Buckeln
• Fehlinterpretierte „Rückenprobleme“ wie
schwungloser steifer Gang und Schweifschlagen
oder Ohrenanlegen beim Reiten
• Fauliger Geruch aus dem Maul und den Nüstern
oder Blutspuren im Maul
• Nasaler Ausfluss oder Schwellung im Bereich
des Gesichts, des Kiefers oder der
Maulschleimhaut
Nur die regelmäßige Zahnkontrolle hilft in der
rechtzeitigen Diagnostik von Zahnerkrankungen
und bei der präventiven Behandlung
(Instandhaltung) der Zähne. Daraus resultiert
ein gesünderes, leistungsbereiteres und auch
zufriedeneres Pferd. Die fachgerechte
Untersuchung des Pferdegebisses durch einen
Tierarzt mit geeigneten Instrumenten und
Lichtquellen ist somit Grundlage des weiteren
Vorgehens und notwendiger Maßnahmen. Das heißt,
dass der Kopf in einer Kopfaufhängung oder auf
einem Kopfständer fixiert ist und das Maul durch
ein Maulgatter geöffnet wird. Für eine freie
Sicht in die Maulhöhle und zur Beurteilung der
Zähne muss die Maulhöhle zuerst ausgespült
werden. Zu einer vollständigen Untersuchung der
Maulhöhle gehören neben der Adspektion (einfache
Sichtkontrolle) auch die Palpation (manuelle
Untersuchung durch Abtasten) von Zähnen,
knöchernde Strukturen, Lippen, Wangen, Zunge und
Maulschleimhaut. In den meisten Fällen ist eine
geeignete Ruhigstellung durch Sedierung des
Pferdes von Vorteil. Die Sedierung führt zu
einer Verbesserung der Arbeitsbedingung für den
Tierarzt, da das sedierte Pferd weniger kaut,
was sich insbesondere in einer
Qualitätssteigerung der Arbeit im hinteren
Bereich der Maulhöhle zeigt. Weiterhin wird
durch die Sedation die Sicherheit für das Pferd
, den Besitzer und den behandelnden Tierarzt
erhöht. Das Verletzungsrisiko durch
Abwehrbewegungen des unsedierten Pferdes ist
keinesfalls zu unterschätzen. Neben der
Betrachtung der Maulhöhle gehört zu einer
vollständigen Untersuchung auch die Betrachtung
des Kopfes. Hier können Asymmetrien in der
Bemuskelung des Kopfes, Knochenvertiefungen oder
Knochenauftreibungen am Kopf Hinweise auf
Erkrankung von Zähnen geben. Die notwendigen
tierärztlichen Kontrollinteralle richten sich in
vielen Fällen nach dem Alter des Pferdes, aber
auch nach den individuellen
Untersuchungsbefunden.
Maßnahmen zur
Gesunderhaltung
Der Pferdebesitzer selbst kann durch eine
pferdegerechte Fütterung und Haltung zur
Zahngesundheit beitragen. Pferde mit Weidegang
nehmen durch das ständige Fressen vom Boden Sand
und kleine Steine auf, was zusammen mit dem
Silikat und den Rohfasern des Wiedegrases zur
Abnutzung der Zähne beiträgt. Bei Pferden mit
Boxenhaltung ist dies häufig nicht der Fall und
daher sollte bei der Fütterung auf genügend
Rauhfutteranteil geachtet werden. Eine zu
konzentrierte Fütterung mit Ergänzungs- und
Weichfutter reduziert die Kaubewegungen und
führt zu ungenügendem oder ungleichmäßigen
Abrieb. Dadurch können die Zähne unphysiologisch
lang und ungleichmäßig werden. Im Laufe des
Pferdelebens nutzen sich insgesamt die Zähne ab
und können speziell bei älteren Pferden auch
aus-brechen.
Leider neigen Backenzähne auch unter
Weidebedingungen zur Bildung von Spitzen und
scharfen Kanten. Da der Unterkiefer der Pferde
enger verläuft als der Oberkiefer, mahlt das
Pferd die Futterbestandteile mit steten
Seitwärtsbewegungen, scharfe Kanten werden daher
hauptsächlich an den Rändern der Zähne
ausgebildet. Diese findet man hauptsächlich auf
der Backenseite des Oberkiefers und auf der
Zungenseite des Unterkiefers. Diese Kanten
sollten vom Tierarzt fachmännisch entfernt
werden, um Verletzungen der Zunge und der
Backenschleimhaut vorzubeugen. Der Vorgang des
Zähneraspeln oder –beschleifens ist daher die
häufigste tiermedizinische Maßnahme am
Pferdegebiss. Dabei soll das Gebiss mit den
einzelnen Zähnen in eine regelrechte Form,
genannt Normokklusion, gebracht werden. Man
entfernt scharfe, vorstehende Spitzen und Kanten
und formt eine physiologisch ver-laufende
Kaufläche. Überlange Schneidezähne und
Backenzähne werden in eine physiologische Form
und Länge gebracht. Entsprechende Maßnahmen sind
vor allem dann erforderlich, wenn bereits
Zahnverluste aufgetreten sind oder
Fehlstellungen vorliegen und der korrekte
Zahnschluss nicht mehr gegeben ist. Nur durch
den Kontakt von unterem und oberem Zahn bleibt
die Kaufläche gleichmäßig eben. Ist ein
Backenzahn falsch ausgerichtet, so kann es zu
einer Hakenbildung kommen. Wird dies nicht
erkannt, besteht die Gefahr, dass ein Zahn in
den Gaumen oder die Lade einspießt und diesen
damit verletzt. Haken können durch Abschleifen
entfernt werden. Heute werden hierfür vorwiegend
elektrische Schleifgeräte verwendet. Aber auch
mit Handrapseln ist eine ordentliche und
korrekte Zahnbehandlung durchführbar.
Wolfszähne
Wolfszähne sind entwicklungsgeschichtlich
degenerierte prämolare Backenzähne (Prämolare 1,
s.o.). Sie können sich an jeder beliebigen
Position einseitig oder beidseitig zwischen dem
Hakenzahn (Canini) und dem ersten sichtbaren
Backenzahn (Prämolare 2) befinden. Meistens
sitzen sie jedoch vor dem ersten sichtbaren
Backenzahn. Häufig werden sie mit den Haken-
oder Hengstzähnen verwechselt, die weiter vorne
im Pferdemaul zu finden sind. Man findet sie
häufig im Oberkiefer, selten im Unterkiefer.
Ein Pferd kann somit bis zu vier Wolfzähne oder
gar keinen Wolfszahn besitzen. Wolfszähne
besitzen keine stark ausgeprägte Zahnwurzel, die
sie im Kieferknochen verankert. Gelegentlich
findet man sie auch unter dem Zahnfleisch. Man
bezeichnet sie dann als „blinde Wolfszähne“. Mit
etwa einem Jahr kann man sie bereits sehen bzw.
fühlen. Obwohl nicht alle Wolfszähne Probleme
bereiten, beugt eine frühzeitige Extraktion
(Ziehen eines Zahns) dieses permanenten Zahns am
stehenden, sedierten (beruhigten) Pferd vielen
Problemen mit der Trense („Mauligkeit“) vor.
Der Altersfaktor
Wie bereits angedeutet, entscheidet auch das
Alter des Pferdes über die Häufigkeit
notwendiger Zahnuntersuchungen. Bitte
berücksichtigen Sie folgendes:
• Pferde, die erstmalig ins Training gehen,
sollten zuvor (besonders 2- und 3-jährig) einer
umfassenden Zahnuntersuchung
• unterzogen
werden, da sie sich genau im Zahnwechsel
befinden. Dabei können Kanten geglättet und
Zahnkappen entfernt
• werden.
• Schon bei Jährlingen finden sich manchmal
Unebenheiten des Gebisses, die scharf genug
sind, um die Schleimhaut von Zunge
• und Backe zu
schädigen. Die Korrektur führt zu einer
verbesserten Verwertung der Nahrung und erhöht
das Wohlbefinden.
• Pferde in einem Alter zwischen 2 und 5 Jahren,
also in der Phase des Zahnwechsel, sollten öfter
einer Zahnuntersuchung
• unterzogen werden
als jüngere Pferde. Die Milchzähne sind meist
weicher als bleibende Zähne und entwickeln daher
rascher
• scharfe Kanten.
24 Zähne werden in dieser Zeit abgestoßen und
ersetzt, während 12 bis 16 Zähne angelegt
werden. Pferde
• dieser Altersgruppe
sollten zweimal im Jahr untersucht werden.
• Ab dem sechsten Lebensjahr sollte man ,
unabhängig von eventuellen Zahnproblemen, die
Pferde mindestens einmal im Jahr einer
• umfassenden
Zahnuntersuchung unterziehen lassen.
• Schon ab dem ca. 10. Lebensjahr der Pferde ist
es wichtig, die endgültigen Zahnreihen zu
erhalten, um eine bestimmte Höhe der
• Reibefläche auch
noch beim alten Pferd sicherzustellen. Wenn man
wartet, bis das Pferd 20 Jahre alt ist, kann die
Oberfläche
• bereits so stark
und ungleichmäßig abgenützt sein, dass durch
mangelhafte Zahnlänge eine Futteraufnahme
unmöglich wird.
• Daher empfiehlt es sich
bei älteren Pferden 2 x jährlich eine
Gebisskontrolle durchführen zu lassen.
• Unter Umständen muss bei älteren Pferden mit
Zahnverlust auch die Fütterung an die
eingeschränkte Gebissfunktion angepasst
• werden.
Entwickeln Sie ein
größeres Bewusstsein
• Wenn ein Pferd Verhaltensänderungen zeigt,
sollten Zahnprobleme als mögliche Ursachen
bedacht werden.
• Die Zähne sollten während der jährlichen
Untersuchung nach Bedarf von einem Tierarzt
behandelt und gepflegt werden. Die
• Untersuchung und
Behandlung des Pferdegebisses sind tierärztliche
Aufgaben und gehören nicht in die Hand von
Laien.
• Wolfzähne müssen manchmal entfernt werden. Wir
Tierärzte beraten Sie als Pferdebesitzer
diesbezüglich gerne.
• Eine sorgfältige Gebissuntersuchung und –behandlung
kann für Pferd und Tierarzt am besten und
sichersten unter Sedierung
• (Beruhigung des
Pferdes) durchgeführt werden. Zudem darf nach
dem Tierschutzgesetz § 5 (1) ein mit Schmerzen
verbundener
• Eingriff nicht
ohne Betäubung vorgenommen werden. Eine Sedierung und Betäubung darf ausschließlich nur
durch einen
• Tierarzt erfolgen.
• Lockere Zähne sind meist erkrankte Zähne. Wenn
ein Tierarzt einen lockeren Zahn findet, wird er
ihn entfernen. Dies verringert
• die
Infektionsgefahr und beugt anderen Problemen
vor.
• Hengstzähne haben in der Regel nur erwachsene
Wallache und Hengste, aber manchmal kommen sie
auch bei Stuten vor. Sie
• werden
normalerweise gekürzt und rund geraspelt, damit
Zunge und Schleimhäute nicht verletzt werden.
• Abhängig vom Zustand der Zähne kann auch eine
mehrmalige Behandlung zur Wiederherstellung
einer ungestörten Kaufunktion
• des Gebisses
durch den Tierarzt erforderlich sein.
• Es ist entscheidend, Zahnprobleme früh zu
erkennen und zu behandeln. Ein zu langes
Abwarten führt unweigerlich zur
• Verschlechterung
des Zustandes und kann die Behandlung schwierig
oder sogar unmöglich machen.
• Die Anwendung von modernen Instrumentarium wie
z.B. einem Maulgatter, Stirnlampe, diversen
mechanischen und manuellen
• Schleif- und
Raspelgeräten sollte selbstverständlich sein.
Der jährliche Besuch zur Zahnuntersuchung sollte
heute mit dem Wissen um die Zahngesundheit als
selbstverständlich angesehen werden wie die
regelmäßige Entwurmung oder der sechs- bis
achtwöchige Termin beim Hufschmied. Unsere
Praxis bietet Ihnen als besondere
Serviceleistung eine jährliche schriftliche
Erinnerung zur Zahnkontrolluntersuchung.
Ernsthafte Zahnleiden
Viele der genannten Untersuchungen und Maßnahmen
können beim Pferd vom Tierarzt unter
Stallbedingungen durchgeführt werden. Bestehen
Infektionen an Zähnen oder Zahnfleisch, brechen
Zähne ab oder aus und erreichen die Haken an den
Backenzähnen extreme Ausmaße, dann können
chirurgische Behandlungen mit oder ohne
Zahnextraktion notwendig sein. Unter Umständen
muss dies unter stationären Bedingungen
durchgeführt werden. Auch kann gelegentlich eine
Behandlung in Vollnarkose nötig und sinnvoll
sein. Im Vordergrund sollte stets die
bestmögliche Schmerzausschaltung und kurze
Zeitdauer eines Eingriffs im Sinne einer
tierschutzgerechten, artgerechten, schonenden
und professionellen Zahnbehandlung stehen.
Warum sollte ich bei
Zahnproblemen zum Tierarzt gehen?
Der Mensch geht ja auch nicht mit Zahnschmerzen
zu einem Laienbehandler, sondern er geht zu
einem Zahn-Arzt. Die Zahngesundheit beim Pferd
beschränkt sich nicht nur auf das Ab- und
Beschleifen von Zähnen. Das Pferd sollte sediert
werden oder es muss eventuell ein Wolfszahn
gezogen werden. Beides sind chirurgische
Eingriffe beim Tier, die bei uns in Deutschland
dem Tierarzt vorbehalten ist. Weiterhin kann es
sein, dass eventuell zu einer vollständigen
Behandlung entzündungshemmende oder
antibiotischwirkende Medikamente verordnet
werden müssen. Auch dies kann nur in richtiger
therapeutischer Dosierung von einem Tierarzt
verordnet und verschrieben werden. Bei
bestimmten Erkrankungen gehört zu einer
vollständigen Diagnostik eine röntgenologische
Untersuchung, die wiederum auch nur von einem
Tierarzt mit Kenntnissen in der Radiologie
durchgeführt werden kann. Die Zahnheilkunde beim
Pferd umfasst heute auch zahnerhaltende
Maßnahmen in Form von Füllungen (Vitalamputation
und Totalamputation bei Zahnfrakturen mit
eröffneter Pulpahöhle). Richtig ist, dass die
Unterrichtung im Fach Zahnheilkunde beim Pferd
in der Vergangenheit in der universitären
Ausbildung zu kurz gekommen ist. Doch die
Fortbildungsveranstaltungen zum Thema
Zahnheilkunde sind inzwischen so vielfältig,
dass jeder Tierarzt, der im Bereich der
Zahnheilkunde tätig werden will, diese Angebote
nutzt. Somit ist die Zahnheilkunde, die heute
von Tierärzten durchgeführt wird, auf höchsten
wissenschaftlichen Niveau. Daher nutzen Sie als
Pferdebesitzer dieses Wissen von Tierärzten bei
Zahnproblemen bei Ihrem Pferd.
